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Wie man aus 1700 Tonnen 60 Tonnen macht

Die Entsorgung des Klärschlamms war großes Thema auf der diesjährigen zentralen Bürgerversammlung,. zu der Bürgermeister Martin Pichler ins KuK einlud. Neben dem Klärschlamm ging es um eine Vielzahl größerer und kleinerer Schauplätze der Gemeindepolitik, die immer mehr unter dem Zwang eines massiven Rückgangs an Gewerbesteuer zu knabbern hat.

Etwa 60 Bürgerinnen und Bürger waren gekommen, um von Martin Pichler einen Einblick in die Situation der Marktgemeinde zu erhalten.

Auf dem Gelände der Kläranlage steht schon die große Folienhalle für die solare Klärschlammtrocknung. (Foto: Jürgen Murr)

Auf einem Tisch steht ein großer, mit Flüssigkeit gefüllter Glasballon, daneben ein kleiner Teller mit einer Hand voll geruchslosen, braunen Krümeln. Aus dieser Menge flüssigen Klärschlamm soll in Zukunft mit Hilfe der Sonnenenergie eine kleine Menge Trockensubstrat hergestellt werden. 1700m² Klärschlamm fallen pro Jahr in der Kläranlage der Marktgemeinde Schönberg an, Klärschlamm, der laut Abwassermeister Jürgen Murr immer schwerer und teurer zu entsorgen sein wird. Aus diesem Grund hatte sich die Marktgemeinde auf die Suche nach einer zukunftssicheren und bezahlbaren Möglichkeit gemacht, den Klärschlamm zu entsorgen. Man entschloss sich dazu, den Klärschlamm mit Hilfe der Sonnenenergie zu trocknen und fand in der österreichischen Firma Rothmaier einen Partner. Inhaber Thomas Rothmaier und Jürgen Murr informierten auf der zentralen Bürgerversammlung über das Projekt. Firma Rothmaier errichtet dazu auf dem Gelände der Kläranlage eine Folienhalle, in der der Klärschlamm ausgebreitet wird. Mit Hilfe der Sonnenenergie verdunstet der sehr hohe Wasseranteil, bis aus den 1700m² jährlich 60 Tonnen Trockensubstrat entstehen. Diese bestehen hauptsächlich aus organischen Stoffen und Phosphate. Durch das anschließende Verbrennen bleiben die Phosphate übrig, die schließlich für die Düngung in der Landwirtschaft verwendet werden können. Für Abfallmeister Jürgen Murr erfüllt das Verfahren neben Umweltschutzzielen (Wiederverwertung des endlichen Rohstoffes Phospor) auch die Ziele hohe Entsorgungssicherheit und Kalkulierbarkeit der Kosten. Deshalb schloss man mit Firma Rothmaier einen Vertrag über 20 Jahre. Für 24 Euro pro Kubikmeter trägt das Unternehmen die Investition, Reparatur- und Wartungskosten für die zurzeit entstehende Anlage.

Einen Einblick in die momentane weitere Situation der Marktgemeinde gab anschließend der erste Bürgermeister Martin Pichler. Bürgermeister und Marktgemeinderat müssen versuchen, dringende umfangreiche Investitionen zum Beispiel im Bereich Wasser und Abwasser in Einklang mit einem starken Einbruch der Gewerbesteuer unter einen Hut zu bringen. Nach Gewerbesteuereinnahmen von 1,8 Mio. Euro im Jahr 2014 standen im Jahr 2017 nur noch 551 000 Euro zur Verfügung. „Wir leben, stehen und fallen mit der Gewerbesteuer“, so Martin Pichler. Auf der anderen Seite mussten Projekte wie die Erschließung von Ortsteilen mit Abwasserleitungen oder die Neufassung von Quellen und einem Übergabeschacht noch in diesem Jahr erstellt werden, damit Fördermittel in Anspruch genommen werden können. „Gerne würde ich viel mehr Geld verbauen, etwa für die Instandsetzung von Wegen und Straßen, wenn ich es denn hätte“, so der Bürgermeister. Auch die Investitionen im Bereich des Breitbandausbaus sind an die Vergabe von Fördermitteln gebunden und können nicht hinausgeschoben werden. Hier sei man auf einem guten Weg, so Martin Pichler. „In einem zweiten Förderverfahren von über 230 000 Euro und einem folgenden Förderverfahren „Höfebonus“ erreichen wir fast jedes Haus im Gemeindegebiet. Jeder soll von dem Ausbau profitieren“, so Martin Pichler. In Folge der Maßnahmen stieg die Verschuldung der Marktgemeinde um über 800 000 Euro. „Damit sind wir an der zulässigen Obergrenze angekommen, eine weiter Schuldenaufnahme ist in den nächsten Jahren nicht mehr möglich“, so Martin Pichler.

In seinem Bericht ging Pichler auch auf den mittlerweile ein Jahr zurückliegenden Unfall an der Tankstelle in Eberhardsreuth ein. Durch Diesel, dass in die Kläranlage gelangt und kostspielig entsorgt werden musste, entstand einen Schaden von 237 000 Euro. Über eine Begleichung des Schadens durch die Versicherung wird noch gestritten. Pichler hofft aber, dass diese hier ohne Gerichtsverfahren zu einem Einlenken kommt.

Kritisch sieht der Bürgermeister auch den Ausbau der Ohebrücke der B85. Vom Markt, Landwirtschaftsstellen und Anwohnern wurden Einsprüche gegen die Baumaßnahme des Bundes eingereicht. Die Durchfahrtshöhe von 2,80m sei zu gering zum Beispiel für landwirtschaftliche Fahrzeuge oder die Ver- und Entsorgung der Kläranlage. „Wenn man so viel Geld in die Hand nimmt, müsste eine Lösung möglich sein“, so der Bürgermeister.

Mit sehr viel Lob bedachte er hingegen dem Neubau des Feuerwehrgerätehauses mit Dorftreff in Kirchberg. Hier habe die Dorfgemeinschaft eine Eigenleistung im Wert von 155 000 Euro erbracht und ein tolles Gebäude errichtet. Die Feuerwehr hat das neue Gerätehaus bereits bezogen, die offizielle Einweihung ist am 21. April des nächsten Jahres geplant.

Auf Nachfrage berichtete Pichler auch über den aktuellen Stand beim neu errichteten Gewerbegebiet GI Kreuzbach. Diesem voraus ging die dringende Bitte eines Schönberger Unternehmens, Platz für Neubau und Erweiterung zu schaffen. „Wir sind dem Wunsch nachgekommen und haben mit erheblichen Mitteln das Gewerbegebiet Kreuzbach erstellt“, so Martin Pichler, doch sei der Weiterverkauf an das Unternehmen noch nicht erfolgt. „Am Markt Schönberg wird die Erweiterung des Unternehmens nicht scheitern, sollten sich die Pläne des Unternehmens jedoch ändern, wird sich der Markt über Alternativen Gedanken machen“, so Pichler.

Positives konnte Pichler aus dem touristischen Bereich berichten. Mit aktuell 141 000 Übernachtungen steuere man dieses Jahr einem Rekordergebnis entgegen. Diese Steigerung liege in den Baumaßnahmen der großen Hotels im Gemeindegebiet begründet. Doch auch die privaten Vermieter konnten beachtliche Steigerungen verzeichnen. Dadurch und durch die 2016 beschlossene Erhöhung des Kurbeitrages stünden 2017 fast 150 000 Euro für Investitionen im Bereich der touristischen Infrastruktur zur Verfügung.

Erfreulich stabil sei auch die Bevölkerungszahl mit knapp 3700 Einwohner. Einem Überhang der Sterbefälle gegenüber den Geburten stehe ein Plus an Zuzügen zu Abwanderungen gegenüber, so dass die Bevölkerungszahl stabil bleibe.

Die Themen seines Berichtes seien die Leistung vieler, so der Bürgermeister. Er dankte deshalb dem Marktgemeinderat, der Verwaltung und den Bediensteten der Marktgemeinde für die geleistete Arbeit.