Schönberg. Sie habe Heimweh nach Paris, sagt Giselle Spude. Dabei kommt sie aus einer kleineren Gemeinde bei München und lebt heute in der bayerischen Hauptstadt. Die Bedeutung dahinter erklärte sie charmant mit dem Quartett Montparnasse den Besuchern im voll besetzten kleinen KuK-Saal im Rahmen der Reihe „Herbst&Kultur“.
„C’est si bon“ -es ist alles gut, wie es ist – umschreibt zu einem großen Teil das Lebensgefühl der Franzosen. Die Übersetzung des Lebens in Noten heißt Chanson, wie es Bernd Bachhuber zur Begrüßung formulierte. Musik aus dem Herzen, aus Situationen, Begegnungen und auch den Nöten der Menschen. Giselle Spude kann daraus persönlich schöpfen. Sie erzählte begleitend zu den Liedern aus ihrer „Flucht vor einem spießigen Oberbayern“ in die Stadt der Liebe, der Kunst, des späten Frühstücks zu Croissants an einem Platz – vielleicht im Künstlerviertel Montparnasse. Musik studieren, andere Klänge aufsaugen als die der heimischen Volksmusik, das wollte sie. Also lebte sie anfangs als Straßenmusikerin, ließ sich von charmanten Monsieurs, darunter dem bekannten Chansonnier Georges Moustaki, umwerben und bis „La Mere“ - aus den Gassen von Paris bis ans Meer - treiben. Immer Im Gepäck das Akkordeon, das Heimatklänge ebenso beherrscht wie Musette oder Tango. Begleitet von einer virtuosen Geige, Gitarre und Kontrabass gab es ausdrucksvollen Gesang in Französisch – mit einer einzigen Ausnahme eines deutschen Blicks zurück: „Verdammt Paris! Mein Leben sieht jetzt anders aus; so ganz ohne Bonjour auf der Straße!“ Ansonsten war es für die Zuhörer aber nicht tragisch, die Worte nicht zu verstehen. Chansons wirken aus sich, wenn sie mit knatterndem Motorrad die Hitze der Gassen hinter sich lassen, mit wehendem Tuch am Hals der Freiheit entgegen. Oder sie beinhalten Drama und Trost zugleich, die süße Eifersucht der Liebenden oder wenn der Hafenarbeiter am Dock über die Schiffe gen Südsee blickt und denkt, Armut müsste anderswo zumindest schöner sein. So schenkten die vier ausgezeichneten Musiker mit Liedern von Charles Aznavour, Charles Trenet oder Jaques Brel und weiteren Klassikern den Zuhörern einen „Savoir-vivre-Moment“, zu wissen, wie man lebt, selbst wenn auch der letzte „Sou“ in der Hosentasche durch ein Loch gerutscht war. Deshalb musste der Abend natürlich mit Edith Piafs berühmten Lied ausklingen, das da sagt: „Non, je ne regrette rien“ – „Nein. Ich bereue nichts. Gar nichts!“ Das begeisterte Publikum applaudierte mit stehenden Ovationen für einen wunderbaren akustischen Blick in die Stadt der Liebe und – stilgerecht serviert vom Kulturforum Schönberg - Macrons, Schmankerlteller mit Wurst, Käse, Weintrauben und Rotwein. Was sollte da auch bereut werden?
Bildunterschrift:
Aus Paris zurück und ein Koffer voller Noten: Ludwig Hahn (v.l.), Giselle Spude, Anton Stürzer, Friedi de Marco hatten Stimmung in Chansons, Musettes und Walzer eingepackt. Foto: Markt Schönberg