Markt Schönberg. Ein grenzüberschreitendes Interreg-Kleinprojekt mit dem Titel „Freundschaftspfade 2026“ ist schon einige Zeit auf die Beine gestellt. Die Kommunen aus dem bayrischen Markt Schönberg und dem tschechischen Čkyně lernten sich kennen und loteten Interessen ab. Mit einem Besuch in Tschechien wurde nun der erste Schritt der Bürgerinnen und Bürger aufeinander zu gegangen.
Mit Feuerwehrauto und Reisebus machten sich die Hartmannsreiter Floriansjünger aus dem Markt Schönberg auf, um mit den Hasiči von Čkyně - den Feuerwehrleuten von (in etwa gesprochen) Tschkünije – deren erstes neues Feuerwehrfahrzeug zu feiern. Das heißt, der eigentliche Anlass war nicht ein Auto, sondern die Verständigung über Grenzen hinweg. Aber ein gemeinsames Thema schafft auch Anknüpfungspunkte, wo oftmals die Worte der anderen Sprache noch fehlen. Bei Tankvolumen, PS oder Besatzung geht es aber auch mit Anschauen, Probesitzen oder zur Not mit Dolmetscherhilfe. Zudem informierte der ehrenamtliche Koordinator Karl Matschiner schon bei der Hinfahrt über politische und gesellschaftliche Unterschiede auf, etwa, dass über lange Zeit hinweg das Feuerwehrsystem des Nachbarlandes mit Berufsfeuerwehren geprägt war; wohingegen die Freiwilligen Wehren stets die gebrauchte Technik der Profis „erbten“. Mittlerweile sind die Ehrenamtler aber auch stark aufgestellt und nehmen ihren Platz mit großem Selbstbewusstsein ein. Die Historie brachte es aber auch mit sich, dass ältere Technik dennoch immer gepflegt und in Schuss gehalten wurde. Das Fest in Čkyně war dann auch neben Präsentation und Segnung eine Leistungsschau des Könnens und ein Blick in die Jahrzehnte. Eine liebevoll gepflegte Dampfpumpe wurde angeheizt und versorgte ein Löschwasserbecken, aus dem sich auch eine knatternde Tragkraftspritze aus olivgrünem Kleinlaster mit Zubehör bediente. Ehemalige Flugplatztanker und bulliger Klöckner-Deutz neben der Marke LIAZ waren zu bestaunen. Hinzu kam nun ein nagelneuer Tatra T-Rex mit allem, was der effektive Einsatz nötig hat. Daneben wirkte das Hartmannsreiter Fahrzeug fast klein. Aber die Strukturen vor Ort sind eben unterschiedlich und wo sich hier mehrere ergänzen müssen andere dort eben noch eine Schippe mehr für größeres Versorgungsgebiet drauflegen.
Themen waren also genügend vorhanden. Dabei hatte der Tag noch zusätzlich mit Kulturprogramm in der ehemaligen Synagoge von Čkyně begonnen. Ebenfalls ein verbindendes Thema: Wie geht man mit Geschichte und Gebäuden um, wenn sie in der Moderne zu zerfallen drohen? Museal, funktional und verbindend bietet die Synagoge als Begegnungsort zudem einen Blick in ein wichtiges und tragisch endendes Kapitel der Vergangenheit; für Verantwortung in neuer Demokratie. Die Reisenden waren sehr beeindruckt von geretteter Kultursubstanz und hochklassig vorgetragenem Gesang. Auch hier hatte eine Partnerschaft mit Freyung und Europa schon vor Jahren Türen zu Mitteln und so zu Wegen geöffnet.
Dann gab es Reden, und Dank, und Segen; und dann noch ein paar Stunden Geselligkeit mit den verbindenden Elementen Musik, Essen und Trinken. Dafür gibt es auch die Fördermittel der Europäischen Union aus dem Programm „INTERREG Bayern – Tschechien 2021 – 2027“. Was Leib und Leben zusammenhält, das bringt auch Menschen zusammen. Ein Prost wird immer verstanden und Gulasch „Knedlik“ geht im Böhmerwald bilateral gut. Am Ende sorgte ein Erinnerungsgeschenk dafür, dass sich die Schönberger jetzt überlegen dürfen, wie sie begrüßen, umsorgen und verabschieden, wenn der zweite Schritt in die entgegengesetzte Richtung erfolgt. Dann sind vielleicht schon ein paar Worte wie „Dobrý den!“ für „Guten Tag“ schon etwas geläufiger.
Bildunterschrift:
In und vor der Synagoge von Čkyně gab es bei der Besuchsfahrt des Marktes Schönberg mit Hartmannsreiter Wehr - nach der Begrüßung durch die Bürgermeisterin Ing. Stanislava Tůmová - eine erste Begegnung mit Kultur und Geschichte.
Das erste neue Feuerwehrauto und dessen Segnung war der Anlass, zu einem verbindenden Thema ins Gespräch zu kommen und bei Bier und Gulasch ein paar schöne Stunden in neuer Freundschaft zu erleben. Mit beiden Wehren trafen sich über 60 Floriansjünger am neuen Fahrzeug; und mit den weiteren Festgästen aus Wehren und Kommunen ringsum waren es sogar deutlich über 100 Personen, wobei erstaunlich viele Tschechen recht gut Deutsch sprechen.
Fotos: Öffentlichkeitsarbeit Markt Schönberg