Markt Schönberg. Ist Karl Klostermann in Stil, Geschichte(n) oder Rezension „so was von gestern?“ Veronika Faktorová und Michal L. Hořejší fanden das als Autoren nicht. In „Karl Klostermann und die Geburt des Böhmerwaldes“ bearbeiten sie Leben, Werk und Wahrnehmung seiner und bis in die heutige Zeit. Jetzt wurde in der „Buchhaltestelle“ der edition Lichtland in Schönberg die deutsche Ausgabe vorgestellt.
Neben Verlag und Autorenteam waren zahlreiche begeisterte „Grenzübertreter“ gekommen, die In Klostermann- oder Kulturvereinen, als Wanderfreunde und politische Bande-Knüpfer einen neuen Blick auf den großen Autor des Böhmerwaldes werfen wollten. Manuel Wagner steuerte dazu musikalische Impressionen gekonnt am Akkordeon bei. Das Buch ist interessant und bildreich gestaltet, schon in Bindung, Form und Druck geht es weit weg von einem überkommenen Bild des Mannes, der von 1848 bis 1942 lebte und lange vor allem in Tschechisch gelesen wurde.
Dass er selbst sagte, ihm lägen politische Tendenzen fern, half über die Jahrzehnte wenig. Wie die Prager Forschenden zu Literatur, Historie und Natur feststellten, wurde er dennoch gerne vor Karren gespannt und mit Attributen wie Versöhner oder Tourismusförderer belegt beziehungsweise alternativ für nationalistische Romantik missbraucht. So setze Klostermann auch bis heute den Menschen eine Brille der Wahrnehmung auf, die nicht immer mit reiner Realität, dafür oft mit subjektiven Sichtweisen des Dichters zu tun habe. Die Dramatik nach Sturm, menschlichen Brüchen oder einem Auferstehen aus Wildnis sei aber auch schon nicht reinste Abbildung seiner Zeit, sondern immer auch Fiktion, überhöhte Stimmung und literarischer Fokus, der sich auch vermarkten wollte. Es sei nötig, so die Intention der Autoren, Klostermann wieder aus der Ideologie in die Interpretation zu holen. Die Frage, ob man ihn noch lesen könne, beantworteten sie dann mit einem klaren „Ja“. Dann könne beispielsweise der Sturm nicht als singuläres Ereignis des Jahres 1870 samt längst vergangener Schilderung gesehen werden, sondern als inneres Kontinuum der Umbrüche, die gerade auch heute wieder Menschen vor Aufgaben und Haltungsfragen stelle. Angenehm sei dabei, dass Klostermann einen einfachen und gut lesbaren Zugang in den inneren und äußeren Böhmerwald ermögliche; Mensch, Natur, Leben. So wirke er dann vielleicht auch weniger als erklärter Apostel der Versöhnung über eisernen Vorhang, Sprachgrenze oder Debatten um Ökologie und Ökonomie fort, sondern als Botschafter der Ausgeglichenheit in einer Welt, dessen Mikrokosmos immer auch die Geburt im Vergehen hat und dessen Makrokosmos Veränderung als etwas Natürliches akzeptieren sollte. Der Sturm ist immer da. Es komme dann immer aktuell darauf an, was der Mensch sich daraus macht.
Die Wiedergeburt dieses Geistes Klostermanns lohne auf alle Fälle, waren sich die Fürsprecher der Vorstellungsrunde von Buch und Dichter einig. Vielleicht verfängt und glückt seine Faszination heute sogar noch stärker. Die Zeit ist immer reif. Vieles ist passiert in Neuzeit, was Klostermann als Bilder und Visionen beschrieb. Ein Stück Begegnung wächst von Wäldern über Bergkamm hinweg auch über die Literatur. Deswegen war die Vorstellung auch Auftakt dazu, dass die „Sumava Litera“ als Kulturtreff künftig in Schönberg weitere Präsenz durch Veranstaltungen finden soll. Für seine verbindende Wirkung wurde das Buch gefördert vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und ist nun in allen Buchhandlungen oder bei der edition Lichtland erhältlich.
Bildunterschrift:
Edith Döringer (l.) und Hannelore Hopfer (r.) freuten sich, über die edition Lichtland das tschechische Werk von Veronika Faktorová und Michal L. Hořejší ins Deutsche für eine Wiederentdeckung Klostermanns und eine Wiedergeburt des gemeinsamen Böhmerwaldes übertragen zu dürfen. Foto: Markt Schönberg