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Schönberg

Kritisch, wichtig, wertvoll

Zweiter Schönberger Umwelttag beschäftigte sich mit Sicherheit in allen Lebenslagen

Markt Schönberg. Wir drücken den Spülknopf; und weg die Sch…! Vielleicht taucht sie noch einmal ärgerlich auf der (Neben-)Kostenabrechnung auf. Dabei ist alles rund um die Kläranlage mit mehr Aspekten des täglichen Lebens gespickt, als man denkt. Beim zweiten Schönberger Umwelttag im KuK ging es um „moderne Cyber-Störfälle“, Kostenersparnis, wirtschaftliche Nutzung und um das allgemeine Thema Umwelt und Gesundheit. Dass es dafür Kompetenz braucht, wurde auch noch beleuchtet.
Etwa 40 Zuhörer aus meist kommunalen Ver- und Entsorgerbereichen waren gekommen. Möglich gemacht wurde der Fachtag durch die Unterstützung der Firma VTA, die sowohl mit einem Vortrag wie durch Moderation und finanzielle Unterstützung ein breites Themenfeld jenseits täglicher kommunaler Abläufe eröffnete.
Das Thema Nummer eins „wird sie eines Tages betreffen“, so die Referenten Patrick Steinhuber und Melanie Gödl von der Cancom Austria AG. Dor beschäftigt man sich viel mit Cyberangriffen auf kritische Infrastruktur wie Lebensmittelbereich, Wasserversorgung oder auch Kühltechnik. Wie lange könnte eine Gesellschaft bestehen, wenn üble IT-Gauner oder feindliche Schurkenstaaten in wessen Auftrag auch immer wichtige Bereiche lahmlegen? Läuft die „Brühe“ ungeklärt in den Bach über, wenn die Anlage nicht mehr EDV-gesteuert wird? Etwa 30 Tage dauert es im Schnitt, bis Prozesse wieder normal hoch gefahren sind. Inzwischen könnten auch Supermarktregale bereits gewaltsam geplündert sein. Entwarnung kann Jürgen Murr immerhin an der Kläranlage Schönberg geben: Wer vorbereitet ist und weiß wie, kann auch für einige Zeit Prozesse manuell und mit Notstrom laufen lassen. Diesel muss allerdings getankt und die Maschine mit regelmäßigem Probelauf gewartet sein. Aber bei Diagnosesystemen als Schutz vor Rohrbrüchen sieht es dann schon finster aus. Also lautet die Maßgabe Prävention: Risiken erkennen, Schutzmechanismen aufsetzen, Angriffe erkennen, reagieren um Schaden zu begrenzen; dann wiederherstellen. Dafür kommt es um den IT-Profi künftig wohl nicht mehr herum
Am Beispiel der Schönberger Kläranlage ging es mit Jürgen Murr um ökonomische und ökologische Potenziale, die aus Klärprozessen gewonnen werden können. Methangaserzeugung funktioniert hier dank bewusst gesetzter Parameter ganz naturnah aber mit Bakterien-Turbo, reduziert Schlammmengen und speist ein Blockheizkraftwerk für Strom und Wärme. Daneben sorgen Schneckenpresse und Solartrocknung für weniger Kosten, Anlagenstabilität und tonnenweise CO2-Einsparung. 
Überaus unterhaltsam und detailreich berichtete Dr. Heinz Fuchsig als Umweltmediziner über die Kreisläufe des Lebens. Der Mensch ist darin eingebunden und oft am Ende der Nahrungskette „Deponie“ für Krankmacher. Er beleuchtete das an Beispielen wie Blei und Durchschnittsintelligenz, Asbest und Krebsspitzen, Luftverschmutzung und Todeszahlen; und stellte auch fest, dass manche Stoffe auch mal 20 Jahre verschoben zum Verbot erst ihre Wirkspitzen haben, dass Radioaktivität über Jahrtausende strahlend belastet. Außerdem, dass Rußpartikelfilter Wirkung zeigen oder dass ausgerechnet China sich in manchen Bereichen zum Öko-Vorreiter macht, weil die negativen Folgen von „Nichts-tun“ viel teurer wären; zumeist im Gesundheitssystem oder dadurch, dass Menschen aus Wirtschaftsbereichen zu früh rausfallen. Als Optimist freute er sich, dass viel passiert und verbessert wird. Es brauche auch ein vitales Lebensgefühl. Aber zugleich verwies er auf von PFAS, Microplastik, hormonell oder allergen wirkenden Wirkstoffgruppen bis hin zu Einflüssen, die unwillentlich dick machen oder umgekehrt über fettlösende Wirkung die Kraft und Energie schmelzen. Und er ergänzte: Zudem braucht es etwas Pragmatismus, um nicht mit vermeintlichen Minimalrisiken das ganze Leben auszubremsen.
Der Kreis schloss sich dort, wo auch Kläranlagen längst zu Schadstoffsenken wurden. Deshalb ging es um die Novellierung der Abwassermeisterverordnung im letzten Vortrag durch Dr. Andreas Lenz von der Bayerischen Verwaltungsschule. Die Könner am Abwasserbecken sind heute unter anderem Energiespezialisten, Chemiker, Techniker und kühle Kalkulatoren, um den Anforderungen gerecht zu werden. Deshalb braucht es neue Lehrstoffe und Kompetenzen und manchmal auch neue Namen, die das veränderte Berufsbild auch nach außen transportieren, auch wenn die sich schon mal sperrig anhören können.

 

Bildunterschrift:
Beim Schönberger Umwelttag ging es um viele Aspekte von Sicher- bis Gesundheit. Hier im Gespräch (v.l.) Marktgemeinderat Karl Schneck, Bürgermeister Martin Pichler, Dr. Andreas Lenz von der Bayerischen Verwaltungsschule und Leiter der Umwelttechnischen Berufe, Organisator Andreas Gabriel von der Firma VTA, Dr. Heinz Fuchsig und Jürgen Murr als Referent zum Thema Ökonomie und Ökologie an der Kläranlage Schönberg. Foto: Markt Schönberg

 

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