Zurück zur Übersicht
Schönberg

KuK! Klar. Die tun was.

Schönberg präsentierte sich doppelt auf Landshuter Umweltmesse

Markt Schönberg. Wenn es um die Kommunen in Bayern geht, dann steht die Bayerische Gemeindezeitung als Fachorgan gerne zur Seite. Umgekehrt hatte die zu einer Vortragsreihe auf die Umweltmesse in Landshut geladen und der Markt berichtete zu 20 Jahre Erfolg mit KuK und die Verbindung von Ökologie und Ökonomie am Klärwerk.
Herbert Kern jun. Blickte zurück auf die Geschichte der ehemaligen Bekleidungsfabrik im Zentrum des Ortes. Die drohte in den 90ern endgültig zur Industriebrache zu verkommen. Konzepte waren gefragt, Visionen und auch Städtebauförderung. Die Kommune fasste den mutigen Entschluss, das Gelände neben Freibad und Sportplatz zu entwickeln und eine komplett andere Nutzung zu etablieren. Kunst, Kultur und Gemeindeleben sollten einziehen. Aber von der Fabrik zum Erlebensraum schien der Weg weit. Herausforderung: Die Substanz nutzen; denn das massive Gebäude war zu schade, für den Abriss. Aber Vereinsräume, Jugendzentrum und einen Saal für 600 Leute zu schaffen, das brauchte auch ein starkes Bekenntnis zur Nachhaltigkeit. Ökologisches Bauen in der vorhandenen Struktur war schon beispielgebend, als noch selten die Rede war von knappem Sand oder CO2-Fußabdruck von Beton. Fast 95 Prozent wurden weitergenutzt und sogar Bodenbeläge wieder verwendet. Anfang der 2000er Jahre waren 3,4 Millionen Bausumme trotz 2,4 Millionen Städtebauförderung eine astronomische Summe für einen kleinen Markt. Herbert Kern betont aber: Heute müsste man wohl noch eine Eins vor diese Zahl setzen, um das zu realisieren. Der Weitblick hat sich bewährt. Hier geben statt Nähmaschinen die Stöcke der Dirigenten den Takt vor. Ausstellungen, Seminare, Tagungen, Theater oder jetzt auch eine Reparaturwerkstatt lassen das KuK pulsieren.
Leise klopfen könnte man auch das Blockheizkraftwerk am Klärwerk hören, wäre es nicht extrem ruhig am Laufen. Biogas aus Klärschlamm mit hohem Methananteil wird aus einer Klärkammer abgeleitet und in einem Tank gespeichert, um gereinigt die Energie für Strom und Wärme zu liefern, statt als Klimagas in die Luft zu entweichen. Schon Mitte der 10er Jahre wurde das Projekt in Angriff genommen; obwohl Fachleute sagen würden: Das geht nicht! Jürgen Murr als Referent und sein Klärwerksteam waren da früh extra innovativ. Erst eigentlich um Schlammmengen schnell zu reduzieren. Fleißig futternde Moorbakterien sorgen aber auch für einen geschlossenen Kreislauf, indem menschliche Ausscheidungen und ihre eigenen sich gewissermaßen ergänzen. Während andere Anlagen mit hohen Temperaturen, teuren Türmen oder komplexer Technik versuchen, Betriebskosten mit Doppelnutzung abzufedern, hat der Markt einen recht simplen „Bioreaktor“ am Brüten, der zusammen mit PV-Anlage an die 96 Prozent Strom- und vollen Wärmebedarf für eine durchaus energiehungrige Anlage abdeckt. Zudem setzt der Markt auf solare Klärschlammtrocknung. Auch das ein Nebenprodukt einer anderen Absicht: Langsames Entwässern von Schlamm belastet die Anlagenbiologie nicht und ein großes „Gewächshaus“ macht aus dem feuchten Rest einen torfigen Stoff, der minimale Transportstrecken und energiereiche Verbrennung ermöglicht. Das gute an beiden Maßnahmen. Sie entlasten Bürgerinnen und Bürger finanziell und die Umwelt enorm durch weniger CO2.

Bildunterschrift:
Jürgen Murr erläuterte das einfache, aber überraschend wirksame Konzept der Kläranlage Schönberg in einem Vortrag zu Ökonomie und Ökologie im Einklang. Foto: Markt Schönberg

 

Zurück zur Übersicht